Sommer

19.7.2014 Kräftige und blitzintensive Gewitter in Nordfrankreich

Wertung des Chasings:*****

Drei Länder, 800 km, eine Tankfüllung Diesel, knapp 14 Stunden, sehr viele Blitze und Überschwemmungen - so lässt sich mein bisher weitestes und längstes Chasing zusammenfassen. Dieses hat Matthias vom Chasingteam OWL und mich in den Norden Frankreichs geführt, wo am Abend eine Linie mit sehr kräftigen Gewittern aus der Pariser Region nach Norden durch die Picardie gezogen ist. Die östlichste Zelle haben wir angefahren und sie hat uns viel Action und viele Blitzfotos bereitet. Bis in die Nacht hinein gab es noch neue Zellen und noch mehr Blitzfotos.

Hoch Aymen sorgte für heißes Sommerwetter in Mitteleuropa und Tief Paula über der Biskaya hat feuchte Warmluft aus dem Süden nach Mitteleuropa transportiert. Estofex vergab ein Level 2 für die Gewitterlage an diesem Tag in Frankreich. Gegen 14 Uhr habe ich mich mit Matthias in Lichtenbusch an der Autobahn getroffen und wir sind mit meinem Auto in die Gegend von Cambrai in der Region Nord-Pas-de-Calais gefahren. Die 170 Diesel-PS sollten sich nachher noch als sehr praktisch erweisen ;)

Matthias hat ein ausführliches Video von der Gewitterjagd gemacht:

Nach ca. 2 Stunden Fahrt sind wir bei Mons in Belgien von der Autobahn abgefahren und über Land weiter in die grobe Richtung Cambrai gefahren. Irgendwo hinter Mons an einer Abzweigung lief ein Auto im Stand mit Vollgas und hat eine riesige Rauchwolke rausgehauen, bis sich ein mutiger Helfer todesmutig reingesetzt und den Motor ausgemacht hat. Kurz danach haben wir einen positiven Blitz und den entsprechenden kanonenschlagartigen Donner aus einem vorlaufenden Schauer erleben dürfen.

Kurze Zeit später haben wir zwischen Mons und Maubeuge die Grenze zu Frankreich passiert und dort fuhr passenderweise ein typisches Gefährt für die ländlich und landwirtschaftlich geprägte Region vorbei:
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Nach einer kleinen Stärkung wollten wir noch etwas Strecke machen, um in unser Zielgebiet rund um Cambrai zu kommen. Direkt westlich des Festungsortes Le Quesnoy (Residenz der Grafen von Hennegau) haben wir noch eine Pause gemacht und warfen den Blick auf die abziehende vorlaufende Front nördlich von uns:
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Der Blick nach Westen verriet uns, dass viel konvektive Energie in Form von hohen und mittelhohen Wolken in der Luft lag:
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Wir sind nun bis Cambrai gefahren und haben uns in der Gegend südlich der Stadt einen Chasingpoint gesucht. Wir haben nach etwas Sucherei auch ein geeignetes Feld gefunden und haben uns erstmal in aller Ruhe auf die Lauer gelegt. Gegen 17 Uhr wurde es langsam spannend im Radar und in der Blitzortung: Es bildeten sich Gewitterzellen westlich und südlich von Paris und wir hätten beide gut erreichen können. Diese zogen nach Norden, also ungefähr in unsere Richtung. Die Zellen westlich von Paris waren deutlich blitzaktiver als ihre Kollegen südlich und außerdem waren es mehrere Zellen nebeneinander. Und sie hatten es in sich: Es wurde heftiger Starkregen, Großhagel und eine mögliche Wallcloud von diesen Zellen gemeldet.

Um diese Zellen abzufangen, mussten wir ein ganzes Stück nach Südwesten fahren, also ging es auf einer gut ausgebauten Department-Straße in die Gegend von Amiens. Ca. 30 km südlich davon an der Grenze der Départments Somme und Oise haben wir uns zwischen die östlichste Zelle und ihre Nachbarin manövriert. Nun standen wir vor der schnell näher kommenden Front, die heftig am blitzen war:
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Links von den Windrädern könnte eine Wallcloud sein.

Da die Front schon gefährlich nah war, sind wir wieder einige Kilometer nach Norden gefahren und konnten noch einige kleine Blitze wie diesen festhalten:
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Nach ein paar Minuten mussten wir wieder weiter und zwar richtig schnell! Beide Zellen haben sich nämlich miteinander verbunden und verfolgten uns mit hohem Tempo. Es hätte nicht viel gebracht, nach Norden zu fahren, weil uns die Zelle sowieso irgendwann eingeholt hätte und sie von der Front her nicht sonderlich interessant war. Also versuchten wir, nach Osten auszuweichen. Aber bei Moreuil war die Front unmittelbar vor uns.

Unsere Rettung kam in Form eines Hinweisschildes zu einer Tankstelle, die wir auch quasi in letzter Sekunde erreicht haben! Denn das Gewitter hat uns kurz darauf heftige Naheinschläge um die Ohren gehauen:
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Nach über einer halben Stunde mit grünem Himmel, sintflutartigem Starkregen, Sturmböen und vielen Blitzen war das Gröbste überstanden und wir trauten uns wieder auf die Straße. Wir wollten die Rückseite vom Gewitter weiter verfolgen. Im Ort waren die Straßen etwas überschwemmt, aber ein paar Kilometer weiter nach Nordost kam es richtig dick: Aus einem Feld lief ein ganzer Bach mit braunem Wasser über die Straße und hat diese locker 15-20 cm hoch überschwemmt:
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Es war eine fast apokalyptische Stimmung mit den Mammati der abziehenden Gewitterlinie:
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Im Schritttempo ging es durch die temporäre Furt und danach sind wir im Tiefflug über kleine Straßen und durch Dörfer gefahren, weil es keine größeren Straßen nach Norden gab. Nach knapp einer Stunde waren wir auf einem Feld südwestlich von Arras mit richtig toller Sicht auf die abziehende Zelle. Und weil es langsam dunkel wurde, konnten wir Langzeitbelichtungen machen:
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Am Horizont ist die Stadt Arras.

Östlich uns vorbei zog eine kräftige Versorgungslinie der abziehenden Linie, in der sich eine neue Zelle bildete:
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Die große Gewitterlinie nördlich von uns war schon etliche Kilometer entfernt, blitzte aber nach wie vor sehr stark und auch gut erkennbar:
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Wir konnten zusehen, wie sich der Zellkern der Neubildung mit einem stark verwehten Niederschlagsfallstreifen bildete. Und wenig später haute sie den ersten Erdblitz raus - und was für einen:
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Dem folgen noch ein paar weitere:
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...ehe dieser Zelle schon wieder die Puste ausging.

Aus dem Westen rückte aber schon Nachschub an, der mindestens genauso fotogen war:
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http://www.eifelmomente.de/albums/Nordeifel/Sommer/2014_07_19_Chasing_Nordfrankreich/2014_07_19_-_239_Bei_Monchy-au-Bois_DNG_bearb.jpg

Die neue Linie, die sich schon eine halbe Stunde vorher durch eine unscheinbare Wolkenlinie angekündigt hatte, wurde schön von den Stadtlichtern von Arras angeleuchtet:
http://www.eifelmomente.de/albums/Nordeifel/Sommer/2014_07_19_Chasing_Nordfrankreich/2014_07_19_-_317_Bei_Monchy-au-Bois_DNG_bearb.jpg

Die Linie zog relativ langsam auf uns zu, aber sie kam immer näher und damit auch die Blitze hinter der Böenfront:
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http://www.eifelmomente.de/albums/Nordeifel/Sommer/2014_07_19_Chasing_Nordfrankreich/2014_07_19_-_329_Bei_Monchy-au-Bois_DNG_bearb.jpg

Gegen 23.30 Uhr war es aber an der Zeit, einzupacken, denn wir wollten noch rechtzeitig vor der Zelle flüchten und hatten auch noch ein paar Stunden Rückfahrt vor uns. Östlich von Arras auf der Autobahn erwischte uns die Linie nun mit moderatem Starkregen. Dadurch wurden zumindest die dicken Erdklumpen an den Radhäusern von den Überschwemmungen auf den Straßen und Feldwegen weggewaschen ;)

Vor Mons sahen wir in Richtung der Stadt einen tollen Aufwindturm einer Neubildung mit eingebauter Stroboskopbeleuchtung. Diese Zelle wollten wir aber nicht mehr verfolgen, dafür haben wir den sehr hübschen Anblick entspannt genossen :)
Nach gut drei Stunden Fahrt war es dann geschafft und wir sind in Lichtenbusch angekommen. Matthias hatte von dort aus noch ungefähr 2 1/2 Stunden Fahrt nach Ostwestfalen und ich nur zwanzig Minuten in die Nordeifel.

Für die weite Fahrt ins schöne Nordfrankreich wurden wir reichlich belohnt mit vielen schönen, aber auch krassen Eindrücken! Ich hoffe, euch hat dieser Bildbericht ebenfalls gefallen.

Gruß René
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